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Nirmal Verma:

Ausnahmezustand. Roman

Aus dem Hindi übersetzt von Hannelore Bauhaus-Lötzke und Harald Fischer-Tiné, 2006.

ISBN 978-3-937603-06-3, 160 S., 14,80 Euro, 24 SFr.

Der Journalist Rishi, Protagonist des Romans „Ausnahmezustand“, ist beunruhigt. Er erhält mysteriöse Anrufe und erfährt, dass sein Name auf einer Liste verdächtigter Personen zu finden ist. Wer setzt ihn unter Druck? Was war sein Vergehen?

Der Romanautor Nirmal Verma wurde 1929 in der nordindischen Stadt Simla geboren. In Delhi studierte er Geschichte. 1959 übersiedelte er nach Prag. 1968 kehrte er nach Indien zurück, wo er freischaffenden Schriftsteller lebte. Er starb im Oktober 2005 in Neu-Delhi.

Nirmal Verma ist einer der wichtigsten Vertreter der nayi kahani (neue Erzählung), die radikal mit der indischen Literaturtradition bricht. Was zählt, ist ein möglichst natürlicher Stil. Die Handlung wird stark reduziert, die psychologische Zustandsbeschreibung tritt in den Vordergrund.

 



Foto: Nirmal Verma  

Rezensionen

Lähmende Angst

„Nichts geschieht zufällig. Wir können nur von Zufall sprechen, weil wir die ganze Kette der Zusammenhänge nicht sehen.“ An diese Worte seines Freundes Thorgier erinnert sich Rishi nach dem Treffen mit dem mysteriösen Fremden. Der Mann warnte ihn: Auch Rishi stehe auf der Liste. Die Geheimpolizei wisse alles über ihn, in seiner Akte sei sein Leben bis ins intimste Detail aufgezeichnet. Zu Hause erhält er Anrufe, bei denen sich niemand meldet, nur eine unheimliche Stille macht sich breit. Kürzlich wurde sein Freund Anup Bhai abgeholt. Steht auch seine Verhaftung kurz bevor? Rishi hat Angst. Wissen sie mehr über ihn als er selbst? Gibt es in seinem Leben Zusammenhänge, die er sich nicht eingesteht?

Da ist seine Arbeit als Journalist, seine Reisen und Reportagen. Er hat den Dalai Lama interviewt, sah Not leidende Menschen. Zuletzt bereiste er Bastar, das Land der Adivasi, der Stammesbevölkerung. Er will die Wahrheit ergründen und sie in seinen Dokumentationen darlegen. Aber ist da nicht auch eine Lüge? War die Reise nach Bastar nicht eine Flucht vor den ihn bedrängenden Fragen, vor seinem privaten Leben? In seinem Haus fühlt sich Rishi fremd. Die leeren Zimmer erinnern vage an frühere Bewohner und ihr Schicksal. Jetzt lebt er dort allein mit seiner Mutter, deren Gedanken sich oft in anderen Sphären zu bewegen scheinen und deren gebrechlicher Körper sich immer mehr zur Erde neigt. Aber sie ist das Bindeglied zu seiner Frau Uma, die in der Klinik liegt. Uma kann das Zusammenleben mit ihm nicht mehr ertragen und entzieht sich ihm durch eine seelische Starre in eine andere Welt. Licht bringt nur Bindu in sein Leben. Sie verzaubert mit ihrer Natürlichkeit, ihre Bewegungen sind geschmeidig wie die einer Adivasi, bei ihrem Anblick denkt man unwillkürlich an Tiere und Pflanzen. Bindu ist Rishis Geliebte, seine erste wirkliche Liebe.

Der Roman „Ausnahmezustand“ spielt in Delhi zu Beginn des Ausnahmezustandes, den Indira Gandhi von Juni 1975 bis März 1977 über Indien verhängte. Die Stadt ist keine pulsierende Metropole, sie wirkt wie gelähmt. Es gibt leere Strassen, leere Wohnungen, ein ausgetrocknetes Flussbett. Viele Menschen sind abwesend, andere alt oder krank. Die Angst scheint allmählich allgegenwärtig. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die persönliche Geschichte Rishis. Die aussergewöhnlichen Ereignisse zwingen ihn, sich mit seinem innersten Leben auseinanderzusetzen. Für Nirmal Verma war die Zeit des Ausnahmezustandes ein traumatisches Ereignis und er lässt eigenes Erleben in die Handlung einfliessen. Er macht das Gefühl von Angst und Bedrohung förmlich greifbar. Mit grosser Sensibilität setzt er sich mit der Situation der Menschen und ihren innersten Gedanken auseinander. Ein grossartiges Buch!

von Elke Müller für die Literaturnachrichten am 19.09.2006

 

 

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Zu diesem Buch

"Nirmal Vermas Roman 'Ausnahmezustand' kommt ganz ohne die üblichen Merkmale aus, die Literatur aus Indien normalerweise für den Westen interessant machen. Folkloristische Idyllen, Elendsambiente oder andere exotische Beigaben interessieren den Autor nicht. Stattdessen konzentriert er sich wie kaum jemand vor ihm auf die Routinen des Großstadtlebens, seine Spannungen und alltäglichen Bedrohungen."

Von Barbara Wahlster am 09.05.2006.
Eine ausführliche Rezension finden Sie unter Deutschlandradio Kultur

"... wie 'die Fäden unserer inneren Dunkelheit auf die Spule zu wickeln sind, die sie mit der äußeren Welt verbindet', ist gleichermaßen die Leitfrage in Vermas Roman."

Aus der Rezension für Südasien.info von Nadja-Christina Schneider am 05.08.2006.

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